Vorwort
1. Ein sagenhafter Ort in spektakulärer Lage
Der Mäuseturm: einst Zollstelle und Signalturm
2. „Catwalk" der Rheinromantik
Das Kulturufer: Wo sich Natur und Kultur verbinden
3. Zusammenspiel von Natur, Kultur und Geschichte
2000 Jahre unter einem Dach: Museum am Strom
4. „Bingen ist eine freundliche und schöne Stadt"
Victor Hugo: ein berühmter Rheinreisender aus Frankreich zu Gast in Bingen
5. „Der Mensch hängt vom Himmel so, wie das Schiff vom Lotsen ab"
Das Lotsenmuseum: ein liebevoll gepflegtes Kleinod
6. Wo heute nur noch guter Geschmack deklariert wird
Altes Zollamt: einkehren bei Löwe und Krone
7. Eine Reise in die Vergangenheit
Der Alte Kran: und er dreht sich noch
8. Schatz im Verborgenen
Die Krypta der Basilika St. Martin
9. Die Binger Shoppingmall des Mittelalters
Wein und Schönes im „Haferkasten"
10. Er liebte die Dichtung um ihrer selbst willen
Das Stefan-George-Museum: Erlesenes und Exklusives
11. Das Dreamteam von Wein und Gastlichkeit
Hotel Würth am Freidhof
12. Moderne Weine und Kunst in historischem Gemäuer
RAINERS Weinkontor & Galerie
13. Wo Genießen eine Lebenseinstellung ist
Alte Wache: Ein Haus mit Vergangenheit und Zukunft
14. Egalité, Liberté und Filtercafé
Heimat No 5: Café mit Flair
15. Die Stadt als Kunstraum
Künstlervereinigung Kunst-Spektrum Bingen
16. Geschenke und Wein aus Bingen am Rhein
Neumann am Salztor: eine Binger Institution
17. Eintreten, sich wohlfühlen und wiederkommen
Kapuze: Treff der Generationen
18. „Schokolade macht glücklich"
EB Röthgens fantastische Schokomäuse
19. Vorhang auf für Kleinkunst und Jazz
Binger Bühne: wichtiger Motor für Kulturszene
20. Formvollendete Verbindung von Genießen und Geschichte
Burg Klopp: Binger Historie gepaart mit feiner Kochkunst
21. „Ein edler Stein sei sein Baldachin"
Der jüdische Friedhof: älteste Binger Begräbnisstätte
22. Am Anfang war die Idee eines eigenen Fässchen Weins ...
Weingut Schloßberghof: Weinenthusiasten am Werk
23. Prädikat besonders wertvoll für Binger Kinokultur
KiKuBi - Programmkino, bei dem alle mitmachen
24. Die Schönheit des morbiden Charmes
Auf dem Alten Friedhof durch die Zeit reisen
25. Oh, mein Papa
Papa Rhein Hotel: Hier treffen sich Stadt, Land und Fluss
26. „Wie ein weißer Schwan am Ufer des Rheins"
Villa Sachsen: einst Landsitz und Weingut, jetzt buddhistisches Kulturzentrum
27. Bingen - die Stadt der Literatur
Facettenreiches Spektrum an Worten, Texten und Literatur
28. Kult-Ort fest am Rhein verankert
Camping Platz Hindenburgbrücke alias „Bauer Schorsch"
29. „Ein Leben ohne Honig ist möglich, aber sinnlos."
Die Kempter Honigmanufaktur
30. Ein Besuch im Paradies für alle Sinne
Der Kempter GenussGarten
31. Die Botschafter des Terroirs
Vino Fredi sorgt für frischen Wind
32. Durch diese hohle Gasse sind schon viele gekommen ...
Die Kempter Hohl: ein Faszinosum aus Menschenhand und Natur geschaffen
33. Wo Kräuter von der Decke wachsen
Kräuterkirche Gaulsheim: Beten und Heilen
34. Wenn der Klapperstorch klappert, der Laubfrosch quakt und der Biber seine Burg baut
Europareservat Rheinauen: ein Schatz der Natur vor der Haustür
35. Die „systemrelevante" Erfindung des Feierns
Die Stadt des Weins und der Feste
36. Auch Goethe gefiel es gut auf dem Binger Rochusfest
Eine geliebte Tradition: Rochus-Wallfahrt seit 1666
37. Eine Oase der Ruhe
Die Bethlehemskapelle unterhalb der Rochuskapelle
38. Bingen mit der Kamera entdecken
Preisgekrönter Fotograf gibt Tipps
39. „Pflege das Leben, wo immer du es triffst"
Innehalten im Hildegard Forum der Kreuzschwestern auf dem Rochusberg
40. Stille Einkehr beim Dichterwein
Charmantes Wendelskapellchen auf dem Rochusberg
41. Von der Thingstätte zum geselligen Mittelpunkt des Dorflebens
Altes Rathaus Büdesheim
42. Weine mit Leidenschaft
Weingut Bernhard Grünewald paart Iradition und Innovation
43. Wein trinken unter Palmen
Weingut Hildegardishof: Wo Genuss und kreative Vielfalt Hand in Hand gehen
44. Die Hörner vom Dromersheimer Hörnchen sorgen weltweit für den guten Ton
Dürk Horns in - fast - in aller Munde
45. Klein, fein - Wein!
Weingut Tischleder in Dromersheim
46. Beim Barte der Jungfrau: die Heilige Kümmernis
Wie Genderfragen schon das Mittelalter bewegten ....
47. „Wer Wein trinkt, sündigt nicht"
Zirkels Kuhkapellchen in Sponsheim
48. Da haste Töne ...
Musikalisches Bingen: Vielfältige Klangerlebnisse garantiert
49. Stoßgebet vor Aufbruch zu neuen Ufern
Die romanische Brückenkapelle in der Drususbrücke
50. Alle Jahre wieder im Herbst
Der Federweißenstand auf der Saarlandstraße
51. Andacht per Knopfdruck mit Lichtinstallation
Neue Formen der Spiritualität im Bingerbrücker Hildegardzentrum
52. Mehr als ein Dach über dem Kopf
Rhein-Nahe-Jugendherberge - Logenplatz in der Natur
53. Aus dem Nähkästchen geplaudert
Ein Binger Gästeführer über seine Stadt
54. Warum ist es am Rhein so schön?
Geologe Andreas Stolz erklärt es haargenau auf seinen Touren
55. Wo die Bäume Augen und Nasen haben
Steckeschlääferklamm im Binger Wald
56. Rendezvous mit der Rheinromantik
Burg Rheinstein: eine der schönsten Burgen am Mittelrhein
57. Einmal Burgherr für einen Abend sein
Burg Reichenstein: vom Raubritternest im Mittelalter zur Stätte des feinen Geschmacks von heute
58. Einst Felsenkloster und Wallfahrtsort mit besonderer Anziehungskraft
Die Eremitage in Bretzenheim: einzigartige Anlage nördlich der Alpen
59. Hol über Fährmann!
Huttental: eine zauberhafte Reise in die Entschleunigung
Eine herzliche Einladung!
Bingen entdecken, sich selbst entdecken, das Leben entdecken
„Das altertümliche dorf wo unsere vorfahren lebten und der reihe nach an der eppichbewachsenen mauer des kirchhofes begraben sind. Auf den wacken-gepflasterten gassen grüssen mich einige leute die ich niemals vorher gesehen hatte und auf dem kirchweg begegnet mir eine greisin die mich mit urväterlicher freude erkennt und befragt. Dunkel tauchen mir wieder auf: das rundbogige hölzerne tor die geschnizten köpfe am treppenaufgang und die unmodischen möbel die anheimeln wie die verjährte ehrliche gastlichkeit der inwohner. Ich hätte mich auch gern nach dem alten ohm erkundigt: ich wusste aber wahrlich nicht ob er nicht schon gestorben war.
(...)
Die zusammenstimmende ruhe von wiesen wasser und blauer ferne wird nur manchmal unterbrochen durch das wehen einer flagge oder durch einen feiertagsklang der umliegenden weiler. In langen zwischenräumen schreien truthähne auf dem meierhof. Kinder stehen mitten im flachen fluss und fischen • andere baden zwischen dem weidicht und weiter oben schwankt ein leeres boot an der fähre. Wäre es möglich in dieser friedfertigen gediegenen landschaft seine seele wiederzufinden? "
Stefan George beschreibt in diesen Zeilen das Dorf, in dem ich vor sechs Jahrzehnten zur Welt kam in einer jener „wacken-gepflasterten Gassen", nicht weit entfernt vom Geburtshaus des Dichters. Diese Zeilen fangen auch die Seele dieser Landschaft am Rhein ein, der dieses Buch ein wenig nachspüren möchte.
Es soll Sie einladen, Altbekanntes neu zu entdecken. Bingen entdecken heißt auch sich selbst entdecken, zumindest sich mal auf den Weg dahin zu machen. Viele machen sich deswegen zum Pilgern auf den Rochusberg auf. Das ist verbunden mit dem Blick auf noch nie Gesehenes, das ist auch der Blick auf scheinbar Vertrautes, das auf einmal ganz neu erscheint. Oft sind die Dinge ja gar nicht so wie sie scheinen! Wer sich aufmacht zu der Entdeckungsreise durch unsere alte, gestandene Stadt, schön gelegen mit vielen Spuren gelebten Lebens, wird den Schlüssel zu einer Schatzkammer entdecken, die sich vor seinen Augen öffnet.
Das große Weltenrad der Geschichte ließ Bingen oft ächzen und stöhnen und verschonte das kleine tapfere Städtchen keineswegs, vieles begegnet uns, wenn überhaupt nur noch im Museum oder im Archiv. Außergewöhnliche Menschen haben hier gewirkt wie Superstar Hildegard von Bingen, die Berühmte. Aber auch weniger Bekannte, deren Namen wir kaum mehr kennen oder gänzlich Unbekannte waren prägend für unsere Stadt.
Bingen hat sich rund um den Rochusberg vergrößert und sein historisches und kulturelles Potential durch die Stadtteile Sponsheim, Dietersheim, Dromersheim, Bingerbrück, Büdesheim, Kempten und Gaulsheim erweitert. Die Stadt bietet dadurch ein noch facettenreicheres Mosaik sowie eine (vier) farbfrohe Vielfalt - manchmal feucht - umarmt von „Nava" und „Rhenus".
Wein, Wald, Wasser - Weck, Worscht, Woi - Wunder, Wirren, Weltbewegendes: in diesen Trilogien bewegt sich hier vieles, dem wir bei unserer Entdeckungsreise begegnen und die sich wie ein roter Faden durch eine unvergleichliche Landschaft ziehen, der Künstler aller Schattierungen das Hohe Lied der Liebe sangen.
Ich lade Sie ganz herzlich dazu ein Bingen selbst zu entdecken. Es lohnt sich, das kann ich Ihnen versprechen und vielleicht begegnen wir uns dabei und entdecken alte Freunde wieder neu oder Altbekanntes in einem andern Licht oder etwas ganz Neues .... schauen Sie selbst! Bis bald, wir sehen uns! Ich freue mich!
Ihre Luise Lutterbach
Vorwort
Eine Frau für alle Fälle
Hildegard von Bingen, die Seherin vom Rupertsberg
A. Marum Wwe. Strumpffabriken Sobernheim
Das Schicksal einer jüdischen Familie
Ein Haus für die Musik
Wo Mozart und Wagner sich die Klinke in die Hand geben
Der Revolutionär und die rote Baronesse
Die Marx-Hochzeit in Bad Kreuznach
„Nix wie enunner" zum Kreiznacher Johrmarkt
Mehr als ein Volksfest
Der gute Mensch von Kirn
Wilhelm Dröscher - ein ganz besonderer Politiker
„Baby, Do You Wanna Bump?"
Frank Farian, der „Daddy Cool" aus Kirn
Als das Unglaubliche wahr wurde
Die Deutsche Weinkönigin 1975/76 Edelgard I. Bauer erinnert sich
Von wegen S(s)tumm!
Eine berühmte Orgelbauer-Dynastie und ein Museum für die Königin der Instrumente
Die Geige als Waffe und Selbstausdruck
Sintijazzgeiger Schnuckenack Reinhardt mit Ellerbachwassser getauft
Spritzig, schluckfreudig, Kirner
Kirner Privatbrauerei immer noch in Familienhand
Heilt die Zeit auch den Phantomschmerz?
Orte, die nur noch in der Erinnerung leben
Gegen Auftrag Überfall
Schinderhannesbande unterwegs für die Kinderkrebshilfe
Ein Nationalgericht mit Migrationshintergrund: der Spießbraten
Schmucke Ideen aus Idar-Oberstein erobern die Welt
Vom Fabrikgebäude zum Kulturdenkmal: die Ketten- und Bijouteriewarenfabrik Jakob Bengel
Wo der Foxtrott auf der Zunge zergeht
Helga Rossmann ist die gute Seele der Flugplatzgaststätte Idar-Oberstein/Göttschied
Friedliche Schlammschlachten im Dienste der Gesundheit
Licht, Luft, Wasser und Erde: Die Elemente des Lehmpastors Emanuel Felke
Willkommen in Chinatown im Nahetal
Von der military zur booming area
„Ich hatte den nebelverhüllten Strom der raschen Nahe überquert [...]: Das schreibt der römische Prinzenerzieher und Gelehrte Au-sonius im Jahre 375 n. Chr. über die Nahe bei Bingen, wo sie in den Rhein mündet und Hildegard von Bingen ihr Kloster er-richtete, nachdem sie von der Mündung des Glans in die Nahe vom Disibodenberg Mitte des 12. Jahrhunderts zu neuen Ufern aufgebrochen war. Auf rund 125 Kilometern spiegelt der kleine Fluss im Südwesten auch große Geschichte wider. An seinen Gestaden waren neben der berühmtesten Nonne aus dem Mittelalter auch Reformatoren und markante Politikerinnen und Politiker, zuhause. Neben den vielen unterirdischen funkelnden Schätzen aus Edelstein, die Idar-Oberstein einst zu seiner Blüte verhelfen sollten, prägen auch musikalische Schätze das Gesicht der Region mit ihrem Musikantenland. Noch heute gibt es außergewöhnliche Orgeln der Stumm-Dynastie in ebenso kleinen Dorfkirchen wie prachtvollen Stadtkirchen zu bewundern und zu hören. Der Weinbau entlang des Flüsschens gilt nicht mehr länger nur als ein Geheimtipp unter Kennern, die die Vielfältigkeit der Nahege-wächse schätzen. Ihren individuellen Charakter verdanken sie den außergewöhnlichen Boden- und Felsformationen, auf denen sie wachsen. Die Verbindung von Nahewein und Edelstein liegt nahe und mundet. Die Natur im Nahetal lädt zum Entschleuni-gen ein, und Wellness sorgt in diesem Landschaftsgemälde mit den Lehmkuren in Bad Sobernheim oder dem Salinental bei Bad Kreuznach für einen unverwechselbaren Pinselstrich.
Schnuppern Sie mal rein, vielleicht kommt man sich (N)nahe ...
Ihre Luise Lutterbach
Niemals vergessen
Eine dunkle Geschichte mit Lichtblick
Heimat
Traurige Erinnerungen
Klassenunterschiede in der Dorfgemeinschaft
Extreme Isolation
Pogromnacht 1938
Kindertransporte
Der letzte Brief
„Besuch bei Ella“
Der letzte Brief aus Bingen
Die Deportation 1942
Deutliche Botschaft
„Kindsein in Deutschland“
Erinnerungen an eine Freundschaft
„Da war ein Riss“
Stolperstein Herz-Löwenstein in Bingerbrück
Eines Tages kam sie nicht mehr zur Schule
Das kurze Leben der Trude Tugendhart, geborene Stern
Trude Stern und die Familie Herz
Trude Sterns Leben nach dem Krieg 75
Kaj Schueler
Niemals vergessen
Als 1998 die Gedenktafel für deportierte Bingerbrücker jüdischen Glaubens eingeweiht wurde, konnte man noch nicht absehen, dass 23 Jahre später, 2020, mitten im Herzen von Bingerbrück, der große, helle Veranstaltungsraum im ersten Stock des neu entstandenen Familienzentrums Zwo Zwo auf der Koblenzer Straße den Namen von Selma Herz erhalten würde.
Selma Herz betrieb mit ihrem Mann Hermann unweit des heutigen Zwo Zwo eine Kohlenhandlung. Ihre drei Kinder Günther, Ruth und Kurt konnten Ende der 1930er Jahre nach Schweden entkommen, während die Eltern 1942 nach Polen in den Tod deportiert wurden. Die Briefe, die sie ihren Kindern nach Stockholm schrieben, berühren zutiefst und nehmen dem Leser den Atem ob ihrer Liebe, Sorge, Verzweiflung und Resignation. Eine Postkarte mit verschlüsselter Botschaft im Jahre 1942 aus Polen ist das letzte Lebenszeichen für Günther, Ruth und Kurt.
Als das Zwo Zwo 2020 in Bingerbrück eröffnet wurde, erschien in Schweden das Buch „Ein Kibbuz in Falun“. Darin beschreibt der Journalist Kaj Schueler das Leben seiner Mutter Ruth, die sich mit ihrem Mann Stefan Schueler in Schweden einlebte und dort ihr Leben verbrachte, anstatt, wie ursprünglich geplant, in das damalige Palästina auszuwandern.
Die vorliegende neue Publikation des Arbeitskreises Jüdisches Bingen (AKJB) bietet einen Einblick in die Jugendjahre von Ruth Herz (1923–1986) in der Schlossstraße, geprägt und grauenvoll überschattet durch die NS-Vernichtungsdiktatur, die auch vor ihrer Familie nicht Halt machte.
Wie in vielen Familien der Opfer – sowohl als auch der Täter – herrschte nach 1945 Schweigen über das Geschehene. Auch Kaj Schueler wünscht sich, dass er viel früher und viel mehr mit seiner Mutter hätte sprechen sollen. Ein posthumes Gespräch, auch zum Verarbeiten der transgenerationalen Übertragung von Traumata, ist ganz gewiss sein Buch „Ein Kibbuz in Falun“, über dessen partiellen Abdruck wir uns freuen und sehr dankbar sind. Weitere Erkenntnisse über das jüdische Leben in Bingerbrück und Details aus dem Leben von Trude Stern, einer Verwandten der Familie Herz, verdanken wir der Schülerarbeit von Dania Schönauer, die mit ihren Recherchen bis dato Unbekanntes zutage förderte, und somit vorlegende Publikation um ein wertvolles Kapitel bereichern konnte. So bekommt die Säule des Erinnerns, neben der des Verbindens und Gedenkens, eines der Fundamente des AKJB, eine weitere Verankerung gegen das Vergessen.
Luise Lutterbach
Grusswort Dr. Peter Frey
Vorwort Tirtza Fenig-Bermann
Teil 1
Die Biografie
Die Geschichte eines einfachen Mannes
(weil seine Enkel Onn, Tom und Noam ihn danach gefragt haben)
Kindheit und Jugend
Die Familie meines Vaters
Die Familie meiner Mutter
Das Zuhause – Freunde – Studien
Kriegsgewitter
Der Abschied von den Eltern
Die Hachschara in Dänemark
Das Land Israel
Das Leben im Kibbuz Alonim
Das Land aufbauen
Sima
Meine Arbeit bei der Firma Herut
Eine neue Arbeit: Meine eigene Firma „Hamefales“
Zurück zu „Herut“
Onkel Karl und Tante Hedwig
Zurück an die Arbeit – zurück zum Krieg
Großvater als Vollbeschäftigung
Nachwort
Teil 2
Auf den Spuren des jüdischen Büdesheims
Die wundersame Reise der Menora von Karl Bermann
Ein kleiner Widerstand im Alltag der NS-Diktatur mit großer Wirkung
Als letztes Lebenszeichen eine zensierte Postkarte
Stolpersteine in der Burgstraße erinnern an Amalie, Felix und Delphine Bermann
„Das Haus stand gespenstisch dunkel da“
Stolpersteine für die vier Geschwister Feist in der Saarlandstraße
Die Familien Feist und Bermann
Hinweise für die Benutzung und Zeichenerklärung
Familien Bermann/Feist in Büdesheim seit 1833
Auch in Büdesheim gab es eine Judengasse
Die Synagoge stand in der heutigen Professor-Kraus-Straße
Schulunterricht der israelitischen Jugend in der christlichen Schule
Die Anfänge der jüdischen Gemeinde
Ein jüdischer Friedhof „Auf dem Hundert“
Der jüdische Huldigungseid für den Dechanten
Jüdische Weinhändler schrieben Büdesheimer Weingeschichte
„Er lehrte Tora die Kinder Israels“
Simon Blad: eine schillernde Persönlichkeit
Über einem Meer von Tränen die Hand ausgestreckt
Presseberichterstattung und Besuch jüdischer Bürger im Jahr 1999
Liebe Leserin, lieber Leser,
das Grußwort zum neuen Buch des Arbeitskreises Jüdisches Bingen beizusteuern, habe ich gerne übernommen. Denn meine Familie stammt aus Büdesheim und wie bei vielen gibt es Anknüpfungspunkte zum jüdischen Bingen.
Mein Großvater Karl Frey, im Alter von 35 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben, hatte als Prokurist in der jüdischen Weinhandelsfirma Mayer in der Schloßbergstrasse in Bingen gearbeitet. Mein Vater Hans Frey, Jahrgang 1930, hat in Büdesheim als Junge hautnah das Progrom des 9. November 1938 miterlebt. Er wohnte mit seiner Mutter und der älteren Schwester in einem Haus mit einem älteren Büdesheimer, ein Witwer jüdischen Glaubens.
Die Bilder und Geräusche, wie NS-Rabauken in die Wohnung des Nachbarn im oberen Stock eindrangen, wie Möbel aus dem Fenster geschmissen wurden, wie aufgelöst der alte Herr die Verwüstung seiner Wohnung verfolgte, hat mein Vater nie vergessen.
In der neuen Publikation des Arbeitskreises Jüdisches Bingen geht es wieder um konkrete Erinnerung, aber auch um die Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit. Autorin Luise Lutterbach zeichnet in ihrem Buch ebenso die Lebensgeschichte von Karl Bermann wie die Geschichte der Juden in Büdesheim nach. Karl Bermann wurde, wie seine drei Geschwister, aus Büdesheim verjagt und in die Flucht getrieben. Er hat es geschafft, in Israel eine neue Heimat zu finden und dort eine Familie zu gründen.
Wir dürfen nicht vergessen, was geschehen ist – und dass es nicht nur in fernen Konzentrationslagern passiert ist, sondern hier bei uns, zwischen Nahe und Rhein. Die Geschichte der Jüdinnen und Juden aus Bingen und Umgebung genau zu rekonstruieren und konkret im Gedächtnis zu behalten, ist eines der Hauptanliegen des Arbeitskreis Jüdisches Bingen. Dem dient auch diese bereichernde Publikation, dieser neue Band in einer schon beachtlichen Schriftenreihe. Dass es viele unserer Vorfahren und Nachbarn waren, die überzeugt oder aufgehetzt einer unmenschlichen Ideologie gefolgt sind, die ihren ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürgern dieses Leid zugefügt haben, schmerzt. Wir müssen uns aber damit konfrontieren.
Ausgrenzung von ethnischen Randgruppen und antisemitische Angriffe sind auch heute leider wieder Alltag. Geschichte wachzurufen ist deshalb eine Notwendigkeit und ein Warnzeichen für heute. So etwas darf nie wieder passieren. Das gehört zum Kern unserer demokratischen Überzeugung als Deutsche.
Der Arbeitskreis Jüdisches Bingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, den ermordeten und geflüchteten Juden ein Gesicht und einen Erinnerungsort zu geben. Eine wichtige Arbeit, die nicht hoch genug bewertet werden kann. Die tragischen Ereignisse und der Tod so vieler der Familienmitglieder Karl Bermanns in den Vernichtungslagern sind nicht rückgängig zu machen. In unserer Verantwortung liegt es aber, immer wieder daran zu erinnern – auch wenn die Ereignisse jetzt schon zwei, drei Generationen zurückliegen.
Karl Bermann und seine Nachkommen haben trotz allem den Weg wieder zurück nach Büdesheim gefunden. Das ist für uns ein Geschenk und eine bleibende Verpflichtung.
Vorwort Thomas Feser
Vorwort Hermann-Josef Gundlach
Vorwort Luise Lutterbach
»Nehmen Sie etwas Rüböl!«
Dr. Isaac Ebertsheim: Arzt und Ehrenbürger aus der Binger Judengasse
Erzählungen aus Rudolf Frank
»Das Doktorshaus in der Judengasse«
So sprach der Humanist
Mont Soleil
Das Stipendium
Kleine Geschichten vom kleinen Bär:
Reizches Reste
Stammtischbrüder
Die Kaiserkrönung
Ein Blick in das Familienalbum
Stammbaum der Familie Ebertsheim
Rudolf Frank »Kraft durch – Feuer«, Binger Version
Szenische Lesung (Text)
Begrüßung und Einführung zur Premieren-Lesung am 27. Januar 2017 von Brigitte Giesbert zur szenischen Lesung
»Ein buntes Vielerlei«
Biografie Rudolf Frank
Bibliografie Rudolf Frank
Aus dem Postkartenalbum der Familie
»Album für Namenszüge befreundeter und geachteter Persönlichkeiten«, Weihnachten 1893
Publikationen
Seit mehr als 20 Jahren begleitet mich »Das Doktorshaus in der Judengasse« auf meinen Führungen und Vorträgen. Als es mir damals in die Hände fiel, entdeckte ich Isaac Ebertsheim und mit ihm den Kosmos des »Dr. Rüböl«, wie die Binger ihren verehrten Arzt liebevoll nannten. Immer wieder erzähle ich meinen Gästen die aus der Feder seines Enkels Rudolf Frank stammenden Geschichten des Doktors aus der Judengasse, die Geschichte Mont Soleil, der halb fiktiven, halb wahren Liebe des jungen Binger Doktors zur todkranken Französin Mathilde La Ennec.
Die Schönheit der Erzählungen, ihr poetischer Rhythmus, der kluge, warme und zutiefst menschliche Ton der Erzählungen berührten mich und eröffneten mir eine neue Welt, in der die jüdische Vergangenheit Bingens samt ihrer Menschen eine bedeutende Rolle spielt. Ich begab mich auf Spurensuche des Binger Doktors und durfte dann dem Urenkel, Vincent Frank-Steiner, in Bingen begegnen. Bande der Freundschaft wurden geknüpft; literarische Begegnungen auf dem Boden der Ahnen sollten folgen.
Isaac Ebertsheim, Mathilde, Rudolf und Vincent Frank: in den vorliegenden Erinnerungen erhalten sie noch einmal eine ganz persönliche Würdigung und einen besonderen Platz nicht nur im Herzen von uns Bingern, sondern auch der geneigten Leserschaft, wie ich es mir sehr wünschen würde.
Luise Lutterbach
Arbeitskreis Jüdisches Bingen
